{"id":373,"date":"2020-01-17T15:14:29","date_gmt":"2020-01-17T14:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/faninitiative.at\/?p=373"},"modified":"2020-01-17T15:14:39","modified_gmt":"2020-01-17T14:14:39","slug":"alternativer-fankongress-schulterschluss-fuer-einen-fanfreundlichen-fussball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/faninitiative.at\/index.php\/2020\/01\/17\/alternativer-fankongress-schulterschluss-fuer-einen-fanfreundlichen-fussball\/","title":{"rendered":"Alternativer Fankongress: Schulterschluss f\u00fcr einen fanfreundlichen Fu\u00dfball"},"content":{"rendered":"<p>Fans von 15 verschiedenen Vereinen trafen sich in Linz, um \u00fcber gemeinsame Anliegen, Probleme und zuk\u00fcnftige fanpolitische Strategien zu beraten. Trotz aller Rivalit\u00e4ten herrschte auf der Gegenveranstaltung zum von Bundesliga und \u00d6FB organisierten Fankongress eine beachtliche Einigkeit. Das Fazit des alternativen Fankongress f\u00e4llt sehr optimistisch aus: Die Fans wissen was sie wollen und werden geschlossen daf\u00fcr k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><!--more-->Fanvertreter_innen von Vereinen der 1. Liga bis ins Unterhaus trafen sich, um \u00fcber gemeinsame Anliegen zu beraten. In dieser Breite war dieser selbstorganisierte Fankongress einzigartig. Von Vorarlberg bis Wien, von Linz bis Klagenfurt, wurde letztlich ein vielf\u00e4ltiges Spektrum abgedeckt und auf Augenh\u00f6he diskutiert. Sehr schnell zeigte sich, dass sich die Probleme an den unterschiedlichen Standorten und den jeweiligen Fanszenen ebenso gleichen wie die Anliegen. Hinsichtlich der Kommunikation mit Liga und \u00d6FB sind wir uns ohnehin bereits seit Sommer einig: Diese ist bis auf weiteres v\u00f6llig eingestellt.<\/p>\n<p>Bundesliga und \u00d6FB luden dennoch zu einem Fankongress, der von s\u00e4mtlichen Fanszenen boykottiert wurde. Stattdessen wurde in unmittelbarer \u00f6rtlicher und zeitlicher N\u00e4he der \u201ealternative Fankongress\u201c organisiert. Dadurch wurde deutlich gemacht, dass es sich dabei bewusst um eine Gegenveranstaltung zu jener der Verb\u00e4nde handelt. Au\u00dferdem wurde der Veranstaltungsort aus praktischen Gr\u00fcnden gew\u00e4hlt: Die Bundesliga wies die Vereine n\u00e4mlich darauf hin, dass die Teilnahme an ihrem Fankongress ein Lizenzkriterium sei und ein Boykott durch die offiziell genannten Fanbeauftragten dementsprechend geahndet w\u00fcrde.<br \/>\nW\u00e4hrend wir am alternativen Fankongress von 10 Uhr Vormittag bis in die Abendstunden diskutierten, war die Pflichtveranstaltung der Bundesliga nach nur zwei Stunden zu Ende. Der offizielle Fankongress erwies sich als Flop. W\u00e4hrend dort wohl das Res\u00fcmee bleibt, dass au\u00dfer &#8222;Spesen nichts gewesen\u201c ist, war der alternative Fankongress ein voller Erfolg.<\/p>\n<p>Den Hauptteil des Programms bildeten vier Workshops. Deren Themen waren:<br \/>\n\u2022 Eintrittspreise und Infrastruktur,<br \/>\n\u2022 Spielansetzungen,<br \/>\n\u2022 Stadionverbote und Kommunikation sowie<br \/>\n\u2022 Staatliche Repression.<\/p>\n<p>Dabei wurden Probleme er\u00f6rtert, gemeinsame Vorstellungen abgesteckt und vor allem an L\u00f6sungen gearbeitet und Alternativen gesucht, um den \u00f6sterreichischen Fu\u00dfball fanfreundlicher zu gestalten. Das zentrale Ziel ist es, mehr Menschen f\u00fcr den Fu\u00dfball zu begeistern und das Stadionerlebnis zu verbessern. Der Fu\u00dfball soll f\u00fcr alle zug\u00e4nglich und vor allem leistbar sein.<br \/>\nAuf Basis der vier Workshops wurde gemeinsam ein Forderungskatalog erarbeitet, mit denen die einzelnen Fanvertretungen an ihre Vereine herantreten werden. Dadurch soll deutlich werden, dass die Bundesliga nicht alleine die Verantwortung tr\u00e4gt. Immerhin ist diese nichts anderes als ein Zusammenschluss aller Vereine und demnach bestimmen diese was passiert.<br \/>\nWir haben uns dazu entschlossen, diesen Katalog nicht voll umfassend zu ver\u00f6ffentlichen. Durch diese Vorgehensweise sollen die Vereine die M\u00f6glichkeit haben, sich in Ruhe inhaltlich tiefgehend damit zu befassen. Letztlich muss es im Interesse eines jeden Vereins sein, sich in den Institutionen f\u00fcr seine Fanbasis einzusetzen. Das ausgearbeitete Papier besteht jedoch nicht nur aus Forderungen, sondern zeigt Alternativen auf.<br \/>\nIn dieser Aussendung wollen wir jedoch drei Eckpfeiler dieses Forderungskatalogs herausstreichen:<br \/>\nFu\u00dfball muss bezahlbar sein<\/p>\n<p>20 Euro f\u00fcr ein Cupspiel der 2. Runde auf einem Fu\u00dfballfeld ohne Trib\u00fcne. Eintrittspreise \u00fcber 30 Euro f\u00fcr ein Spiel der \u00f6sterreichischen Bundesliga. Wer volle Stadien will &#8211; so wie das die Bundesliga stets kommuniziert &#8211; und dem Zuschauerr\u00fcckgang der letzten Jahre entgegenwirken m\u00f6chte, muss auch f\u00fcr ein Umfeld sorgen, das f\u00fcr Fans akzeptabel ist. Ein Stadionbesuch muss f\u00fcr Familien erschwinglich sein. Dazu geh\u00f6rt auch eine ordentliche Verpflegung, bei der das Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis stimmt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem fordern wir die Vereine dazu auf, f\u00fcr s\u00e4mtliche Ausw\u00e4rtssektoren einen Einheitspreis von 12 Euro einzuf\u00fchren, um dadurch eine stimmungsvolle Atmosph\u00e4re zu unterst\u00fctzen und die kostspielige Anreise der Ausw\u00e4rtsfans zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>Samstag muss wieder Hauptspieltag sein<\/p>\n<p>Fu\u00dfball wird f\u00fcr Fans in den Stadien gespielt und nicht f\u00fcr anonyme Zuschauer vor dem Livestream oder vor dem Fernseher. Daraus leitet sich die Forderung ab, dass der Samstag wieder \u201eHauptspieltag&#8220; werden muss. Wenn die Fans des SK Sturm zum Beispiel \u00fcber 270 Tage hindurch kein Spiel mehr an einem Samstag sehen k\u00f6nnen, dann kann die Liga nicht mehr von fanfreundlichen Spielzeiten sprechen. Das oft gebrachte Argument der besseren und langfristigen Planbarkeit, ist ein vergleichsweise \u00e4u\u00dferst schwacher Trost.<\/p>\n<p>Gleiches gilt auch f\u00fcr den von allen Fans der 2. Liga ungeliebten 10:30 Uhr Spieltermin am Sonntag. Sollte das TV-Rechte-Diktat Verbesserungen blockieren, m\u00fcsste die Forderung nach einer R\u00fcckkehr der Liga ins Free-TV dringend erneuert werden.<\/p>\n<p>Keine Stadionverbote ohne gerichtliche Verurteilung<\/p>\n<p>Stadionverbote werden in den meisten F\u00e4llen aufgrund einer Daten\u00fcbermittlung der Polizei verh\u00e4ngt. Das bedeutet, dass bereits eine Anzeige in der Regel zu einem Stadionverbot f\u00fchrt. Die Unschuldsvermutung wird von der Paralleljustiz des omin\u00f6sen \u201eKomitees f\u00fcr Pr\u00e4vention und Stadionverbot\u201c ignoriert. Im Falle der Einstellung des Verfahrens oder eines Freispruchs m\u00fcssen sich die Betroffenen selbst um eine Aufhebung k\u00fcmmern und Protest gegen das Stadionverbot einlegen. Diese Praxis muss umgehend aufh\u00f6ren, denn sie ist eines Rechtsstaats unw\u00fcrdig. Wir sind der Meinung, dass es deutlich zielf\u00fchrendere Alternativen gibt als willk\u00fcrliche Stadionverbote.<\/p>\n<p>Ignoranz erfordert Reaktion<\/p>\n<p>Die Teilnehmer_innen des alternativen Fankongresses stehen den Protagonisten aus Bundesliga und \u00d6FB nicht unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Allerdings ist ihr Umgang mit uns Fans \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig. In der Einladung zum eigenen Fankongress spricht die Bundesliga sogar davon, dass die Einladung der Fans lediglich ein unverbindliches Entgegenkommen sei. Wir meinen: Eine respektvolle Kommunikation mit Fans ist der einzige Weg, seri\u00f6se Fanarbeit zu betreiben. Falls die Verb\u00e4nde immer noch glauben, sie k\u00f6nnen Probleme und Konflikte l\u00f6sen, indem sie diese totzuschweigen oder auszusitzen versuchen, dann wollen wir ihnen diese Illusion hiermit nehmen.<\/p>\n<p>Obwohl es nicht anders erwartet wurde, ist das geringe mediale Interesse f\u00fcr diese konstruktive Art der Kommunikation ern\u00fcchternd. Die \u00f6sterreichische Fanszene wird daher andere Mittel und Wege finden m\u00fcssen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Solange es von Vereinen und Verb\u00e4nden kein Entgegenkommen gibt, werden wir Fans uns umso vehementer f\u00fcr Verbesserungen einsetzen. Eines wurde am alternativen Fankongress deutlich: Wir \u00f6sterreichischen Fu\u00dfballfans wissen was wir wollen und werden entschlossen f\u00fcr einen fanfreundlichen Fu\u00dfball k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Altacher Jungs \u2013 Curva Viola Austria Salzburg \u2013 Faninitiative Innsbruck \u2013 Fanszene Austria Klagenfurt \u2013 Fanszene Vorw\u00e4rts Steyr \u2013 Freund*innen der Friedhofstrib\u00fcne \u2013 Gate 2 Admira \u2013 Kollektiv 1909 \u2013 Landstrassler \u2013 Nordtrib\u00fcne Lustenau \u2013 Rechtshilfe Rapid \u2013 Stahlstadt Kollektiv \u2013 Vienna Supporters &#8211; Weststand Ried im Innkreis \u2013 Wolfbrigade 04 St. P\u00f6lten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fans von 15 verschiedenen Vereinen trafen sich in Linz, um \u00fcber gemeinsame Anliegen, Probleme und zuk\u00fcnftige fanpolitische Strategien zu beraten. 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