{"id":55,"date":"2012-01-17T13:10:03","date_gmt":"2012-01-17T12:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/faninitiative.at\/index.php\/2012\/01\/17\/fanarbeit-innsbruck-beim-fankongress-2012-in-berlin\/"},"modified":"2012-01-17T13:10:03","modified_gmt":"2012-01-17T12:10:03","slug":"fanarbeit-innsbruck-beim-fankongress-2012-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/faninitiative.at\/index.php\/2012\/01\/17\/fanarbeit-innsbruck-beim-fankongress-2012-in-berlin\/","title":{"rendered":"Fanarbeit Innsbruck beim Fankongress 2012 in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-52\" style=\"margin: 0px 10px 0px 0px; border: 1px solid #006600; float: left;\" alt=\"img175\" src=\"http:\/\/faninitiative.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/img175.jpg\" height=\"166\" width=\"217\" \/>Am 14. und 15. J\u00e4nner 2012 fand in Berlin ein Fankongress statt. Neben zahlreichen deutschen Fangruppierungen befanden sich unter den TeilnehmerInnen auch viele fu\u00dfballrelevante Organisationen wie z.B. die Koordinationsstelle Fanprojekte, Football Supporters Europe, Bundesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte, AG Fananw\u00e4lte und viele mehr. Und auch die Fanarbeit Innsbruck war durch Armin Weber vertreten.<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p><strong><br \/>Organisation durch Initiative \u201ePro Fans\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Bereits 2007 gab es in Deutschland einen \u00e4hnlichen Kongress, damals veranstaltet vom DFB. Da aber leider keine Folgeveranstaltung in Aussicht stand, \u00fcbernahm das B\u00fcndnis \u201ePro Fans\u201c in Zusammenarbeit mit den Berliner Fanszenen ehrenamtlich die Organisation des Fankongress 2012. Der Grundgedanke der Veranstaltung war die Diskussion \u00fcber die Rolle der Fans und Fankulturen im Fu\u00dfball des 21. Jahrhunderts sowie der Dialog zwischen allen am Fu\u00dfball beteiligten Institutionen. Die Themenschwerpunkte gliederten sich wie folgt:<\/p>\n<p><em>Wem geh\u00f6rt der Ball? Fu\u00dfball zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Privatrecht. <\/em><\/p>\n<p><em>Fankultur als soziales Ph\u00e4nomen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Chancen und Grenzen von Selbstregulierung, Freiheit und Verantwortung in den Fankurven. <\/em><\/p>\n<p><em>Identifikation der Fans mit dem Verein in Zeiten des \u201emodernen Fu\u00dfballs\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie schaut der Fu\u00dfball in Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei? <\/em><\/p>\n<p><em>\u201eRechtsfreier Raum\u201c Stadion? <\/em><\/p>\n<p>Diese Grundthemen wurden anhand von Diskussionsrunden, Workshops und Vortr\u00e4gen kritisch hinterfragt um L\u00f6sungswege und Strategien f\u00fcr die Zukunft zu entwickeln. Es wird in weiterer Folge von den Workshops und Vortr\u00e4gen berichtet an denen teilgenommen wurde:<\/p>\n<p><strong>Pyrotechnik<br \/><\/strong><\/p>\n<p>Den ersten R\u00fcckschlag gab es bereits beim Thema Pyrotechnik. \u00c4hnlich wie in \u00d6sterreich haben sich auch in Deutschland in der Initiative \u201ePyrotechnik legalisieren \u2013 Emotionen respektieren\u201c aktive Fangruppen zusammengeschlossen um einen Fortschritt in dieser Debatte zu erarbeiten. Es gab in der Vergangenheit Gespr\u00e4che mit dem DFB und der DFL, es wurde sogar mit dem Fanbeauftragten des DFB an einem umsetzbaren Konzept gearbeitet ehe jedoch die Verbandsspitze entschied, dass auf Grund der rechtlichen Situation in Deutschland die Diskussion beendet sei. Pyrotechnik bei Fu\u00dfballspielen wird in keiner Weise erlaubt.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung wurde beim Fankongress heftig diskutiert. Leider war keiner der Funktion\u00e4re des DFB anwesend um Begr\u00fcndungen f\u00fcr diese Entscheidungen<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-53\" style=\"margin: 10px 0px 10px 10px; float: right;\" alt=\"pro fans\" src=\"http:\/\/faninitiative.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/pro_fans.jpg\" height=\"288\" width=\"246\" srcset=\"https:\/\/faninitiative.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/pro_fans.jpg 408w, https:\/\/faninitiative.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/pro_fans-255x300.jpg 255w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/> n\u00e4her auszuf\u00fchren. Die Fan- und Sicherheitsbeauftragten des DFB konnten nur auf ihre Funktion\u00e4re verweisen und f\u00fchrten immer wieder die kryptische Begr\u00fcndung der rechtlichen Situation an.<\/p>\n<p>Ein Vertreter der Pyrotechnikinitiative kritisierte diese Vorgehensweise des DFB mit dem Argument, dass sowohl der DFB als auch die Pyrotechnikinitiative Rechtsgutachten in Auftrag gegeben haben, welche zu einem anderen Schluss gelangten. Detaillierte Ausk\u00fcnfte konnte oder wollte aber auch der Vertreter der Initiative nicht geben.<\/p>\n<p>Genau diese Form des Dialoges, welche der DFB und die DFL in dieser Sache praktizierten wurde von den Fans scharf kritisiert, denn eine gleichberechtigte Diskussion auf Augenh\u00f6he ist mit dieser Vorgehensweise nicht gegeben. Ein Vertreter der Fangruppierung \u201eWilden Horde\u201c (1.FC K\u00f6ln) dazu: \u201eWenn die dialogbereiten gem\u00e4\u00dfigten Fraktionen innerhalb der Kurven zu keinen ernstzunehmenden L\u00f6sungsans\u00e4tzen kommen, werden sie bei den extremer eingestellten Personen auf der Trib\u00fcne kein Geh\u00f6r mehr finden.\u201c<\/p>\n<p>Im Rahmen dieses Themenblocks wurde auch das norwegische Pyrotechnikmodell vorgestellt, welches es den Heimfans aller Vereine erm\u00f6glicht, nach vorheriger Anmeldung und erfolgter Genehmigung durch Feuerwehr und Polizei, Pyrotechnik zu verwenden.<\/p>\n<p><strong>Funktioniert die Selbstregulierung von Fangewalt? <\/strong><\/p>\n<p>Auf Grund der Brisanz dieses Themas wurde die \u00d6ffentlichkeit bei diesem Workshop ausgeschlossen. Mit \u00d6ffentlichkeit waren nicht nur die PressevertreterInnen sondern auch die FanprojektmitarbeiterInnen oder Mitglieder anderer Institutionen (Fananw\u00e4lte etc.) gemeint.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite ist diese Entscheidung sehr bedauerlich, da die Vermutung nahe liegt, eine der interessantesten Diskussionen verpasst zu haben, auf der anderen Seite ist der Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit gelebte Selbstreflexion der Fans ohne jeglichen Einfluss von au\u00dfen und somit eine absolut authentische Vorgehensweise.<\/p>\n<p><strong>Identifikation mit dem Verein und Ver\u00e4nderungen der Fankultur <\/strong><\/p>\n<p>Bei diesem Themenbereich wurden vor allem die Ver\u00e4nderungen innerhalb des Fu\u00dfballs und somit auch der Fanszenen diskutiert. Viele Diskutanten vertraten die Meinung, dass durch die Ver\u00e4nderung der Vereine hin zu riesigen Wirtschaftsunternehmen die Motivation f\u00fcr den Stadiongang vor allem bei jugendlichen Fans zunehmend die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Fangruppierung sei. Der Verein trete immer mehr in den Hintergrund, da keine \u201eWerte\u201c mehr vorhanden seien.<\/p>\n<p>Beim Stichwort \u201eWerte des Vereins\u201c entstand eine sehr interessante Diskussion dar\u00fcber, ob diese Werte immer schon bestanden haben, oder die Vereine erst durch ihre Fans bestimmte Werte erhalten und in sp\u00e4terer Folge auch vertreten. Ein (\u00e4lterer) Fan von Union Berlin meinte, dass auch er nicht prim\u00e4r durch das Interesse am Verein zum Fu\u00dfball gekommen ist, sondern weil er sich auf der Trib\u00fcne, mit allen Facetten welche dazugeh\u00f6rten, sehr wohl gef\u00fchlt hat.<\/p>\n<p>Er f\u00fchrte weiter aus, dass er erst nach einiger Zeit Vereinsmitglied und in weiterer Folge sogar kurzfristig Funktion\u00e4r geworden sei. Er machte also eine Entwicklung vom reinen Trib\u00fcnenbesucher hin zu einem Vereinsfunktion\u00e4r durch.<\/p>\n<p>Fazit dieser Diskussion war, dass die meisten jugendlichen Fans nicht auf Grund des Vereins zum Fu\u00dfball kamen und kommen, sondern haupts\u00e4chlich wegen dem \u201esoziale Gef\u00fcge Fankurve\u201c. Es findet jedoch mit der Zeit eine Entwicklung hin zum Verein statt und somit auch ein \u201eWertetransfer\u201c. Diese Entwicklung ist naturgem\u00e4\u00df bei Vereinen deren Anh\u00e4ngerschaft sich haupts\u00e4chlich regional zusammensetzt wesentlich st\u00e4rker zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p><strong>Rechtsfreier Raum Stadion (Podiumsdiskussion) <\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-54\" style=\"margin-right: 10px; margin-bottom: 10px; margin-left: 0px; float: left;\" alt=\"zis\" src=\"http:\/\/faninitiative.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/zis.jpg\" height=\"351\" width=\"342\" srcset=\"https:\/\/faninitiative.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/zis.jpg 466w, https:\/\/faninitiative.at\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/zis-293x300.jpg 293w\" sizes=\"auto, (max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/>Bei dieser Diskussion, sollte \u00fcber die Gef\u00e4hrlichkeit eines Stadionbesuches in Deutschland diskutiert werden. Neben Vertretern von Fanszenen, Fanprojekten, dem DFB und anderen Institutionen war auch die Polizei dazu eingeladen. Allein es kam niemand von der Exekutive.<\/p>\n<p>Also wurden ohne Vertreter der Polizei die offiziellen Statistiken von Verletzten und Festgenommenen der vergangenen Saison pr\u00e4sentiert und diskutiert um ein sachliches Bild der Gewaltvorf\u00e4lle bei Fu\u00dfballspielen in Deutschland zu zeichnen. So haben in der Saison 2010\/2011 mehr als 17,5 Millionen Menschen die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga besucht. Nach Statistiken der Zentralen Informationsstelle Sporteins\u00e4tze (ZIS) der Polizei wurden dabei 846 Personen verletzt, gegen 5818 wurden Strafverfahren eingeleitet (Verurteilungen wurden nicht erfasst). Das entspricht einem Anteil von rund 0,005 Prozent beziehungsweise 0,033 Prozent. Bei den 846 verletzten Personen wurde nicht angegeben, ob es sich um Fan- oder Polizeigewalt gehandelt habe (Pfeffersprayeins\u00e4tze der Polizei fordern regelm\u00e4\u00dfig mehrere Verletzte, welche behandelt werden m\u00fcssen).<\/p>\n<p>Anhand dieser Statistiken (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.schwatzgelb.de\" target=\"_blank\">www.schwatzgelb.de<\/a>; Artikel: \u201eWir waren beim Fu\u00dfball und haben es \u00fcberlebt) wurde die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zwischen der \u00f6ffentlichen Berichterstattung und dem tats\u00e4chlichen Bild des Fu\u00dfballs und der Fans diskutiert. Es ging um die Selbstreflexion der Fans, welche vehement von Thomas Schneider (ehemaliger Fanprojektmitarbeiter, mittlerweile bei der DFL) eingefordert wurde, denn auch 846 Verletzte sind zu viel. Aber auch um Strategien gegen die einseitige Medienberichterstattung und das Aufbegehren gegen nicht korrektes Polizeiverhalten. Dabei wurde vor allem die Kennzeichnungspflicht aller Beamten gefordert.<\/p>\n<p><strong>Abschlie\u00dfender Eindruck <\/strong><\/p>\n<p>Der Fankongress 2012 in Berlin war aus Sicht der Fanarbeit Innsbruck eine beeindruckende Veranstaltung. Es wurden viele unterschiedliche Themenbereiche in einer sehr gut organisierten Art und Weise aufbereitet und diskutiert. Fans aus ganz Deutschland haben somit ein starkes Zeichen in Richtung Dialog- und Reflexionsbereitschaft gesetzt!<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen und Bilder auf der <a href=\"http:\/\/fankongress-2012.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">Homepage des Fankongress 2012<\/a>. <br \/>Bericht der Veranstalter als Pdf-Download: <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.erhalt-der-fankultur.de\/fankongress2012\/Abschlussdok\/Abdokfank.pdf\">Abschlussdokument Fankongress 2012<\/a><\/p>\n<p>{nomultithumb}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. und 15. J\u00e4nner 2012 fand in Berlin ein Fankongress statt. 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